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UV-Schutz fürs Auge

19. Juli 2016 Von Dr. med. Manfred Daniel Imesch

Wenn die Tage wieder wärmer werden, verbringen wir vermehrt Zeit im Freien und lassen uns von den wärmenden Sonnenstrahlen verwöhnen. Dies hat zahlreiche positive Effekte auf den menschlichen Organismus; unter anderem führt es zu einer Stimmungsaufhellung und Stärkung des Immunsystems. Ausserdem wird in der Haut Vitamin D gebildet, das eine zentrale Rolle im Knochenstoffwechsel hat.

Neben dem sichtbaren Licht sowie der Infrarotstrahlung (wärmende Strahlung) besteht das Sonnenlicht jedoch auch zu ca. 44% aus kurzwelligen UV-Strahlen. Wenn wir unsere Haut nicht ausreichend dagegen schützen, führt diese etwa zu Sonnenbrand, vorzeitiger Hautalterung und das Risiko für Krebserkrankungen wird erhöht.

UV-Licht kann aber auch die empfindlichen Strukturen des Auges sowie der Lidhaut akut oder chronisch schädigen.

Zu den akuten Folgen zählt etwa die Keratokonjunktivitis photoelectrica (auch als Schneeblindheit oder Schweissblende bekannt). Dabei kommt es zu einer Verletzung der Hornhautzellen, vergleichbar mit einem Sonnenbrand der Haut. Typischerweise treten einige Stunden nach UV-Exposition starke Schmerzen verbunden mit einem Lidkrampf und vermehrtem Tränen auf.

Eine andere akute Schädigung stellt die solare Retinopathie dar. Diese vergleichsweise seltene Erkrankung tritt bei ungeschütztem Blick in die Sonne auf, etwa wenn man versucht eine Sonnenfinsternis ohne geeignete Schutzbrille zu beobachten. Dabei kommt es zu einer photochemischen Schädigung der Netzhautmitte, die fürs scharfe Sehen verantwortlich ist. Typische Symptome stellen eine reduzierte Sehschärfe sowie zentrale oder parazentrale Skotome (Gesichtsfeldausfälle) dar.

Chronische UV-Exposition des Auges wird etwa mit einem früheren Auftreten des grauen Stars (Trübwerden der Linse), erhöhten Risiko einer altersbedingten Makuladegeneration sowie mit Tumorerkankungen der Lidhaut und der Augenoberfläche in Verbindung gebracht.

Schützen können wir unsere Augen mit einer guten Sonnenbrille. Es ist darauf zu achten, dass sie über einen ausreichenden UV-Filter verfügt (CE-Kennzeichnung, entspricht den Anforderungen der Norm DIN EN ISO 12312-1:2013(international einheitliche Norm für Sonnenbrillengläser) sowie auf die freiwillige Kennzeichnung UV400 (100% UV-Schutz bis 400 Nanometer).

Eine Sonnenbrille schützt zusätzlich vor Blendung. Der Grad der Tönung bestimmt, wieviel des sichtbaren Lichts gefiltert wird . Dieser Blendschutz wird in 5 Kategorien (0-4) angegeben:

• Kategorie 0: Lichtdurchlässigkeit 80-100%
• Kategorie 1: Lichtdurchlässigkeit 43-80%
• Kategorie 2: Lichtdurchlässigkeit 18-43%
• Kategegorie 3: Lichtdurchlässigkeit 8-18%
• Kategorie 4: Lichtdurchlässigkeit 3-8%

Im Alltag reicht in der Regel eine Sonnenbrille der Kategorie 2-3. Die Tönung sollte nicht mit einem UV-Schutz verwechselt werden. Eine dunkle Sonnenbrille schützt nicht automatisch besser vor UV-Strahlung !

Schliesslich sollte die Sonnenbrille über ausreichend grosse Gläser verfügen, die auch seitlich genügend abdecken.

Quellen:

Mead MN. Benefits of Sunlight: A Bright Spot for Human Health. Environmental Health Perspectives. 2008;116(4):A160-A167.

Lucas RM, McMichael AJ, Armstrong BK, Smith WT. Estimating the global disease
burden due to ultraviolet radiation exposure. Int J Epidemiol. 2008
Jun;37(3):654-67.

Atmaca LS, Idil A, Can D. Early and late visual prognosis in solar
retinopathy. Graefes Arch Clin Exp Ophthalmol. 1995 Dec;233(12):801-4.

EN ISO 12311: 2013 – Personal Protective Equipment – Test Methods for Sunglasses and Related Equipment.

EN ISO 12312-1: 2013 – Eye and Face Protection – Sunglasses and Related Eyewear – Part 1 Sunglasses for General Use._